Bleifuß vs Schlittschuh: Im Geschwindigkeits-Rausch

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Ich fluche und schimpfe wie ein Rohrspatz.
Ja, so bin ich manchmal und ich übertreibe hier gerade wahrlich nicht! 😉
Schüttele die Handtasche kopfüber aus und schmeiße zornig die dort auffindbaren Conditioner-Proben vom letzten Friseur-Besuch auf die grauen Fließen.

Und dabei sollte ich jetzt gerade ganz ruhig und wohlgesonnen sein.
Schließlich haben wir heute etwas Großartiges und lange Versprochenes vor.
Die Mittlere und ich.

Doch gerade im Moment ärgere ich mich einfach nur.

Denn es ist der Schmerz, der mich leicht aggressiv nach der verfluchten und verkackten (Pardon!!!)  Krankenkassen-Karte wühlen lässt.
Meine Krankenkassen-Karte.
Denn ich halte es bald nicht mehr aus.
Dieses Pochen und Klopfen. Die Haut, welche bis zum Zerbersten gespannt ist und wünschenswerterweise sich endlich öffnen würde um Eiter (ja, is eklig – ich weiß) den Weg zu bahnen. Tut sie aber nicht.
Und auch sonst erlöst mich hier gerade keiner!
Eine fiese und mittlerweile sehr fortgeschrittene Nagelbettentzündung plagt mich und gedanklich ziehe ich einen alsbaldigen Arztbesuch in Erwägung.

Und die Karte? Hab‘ ich vermutlich gestern beim Gynäkologen liegen lassen. Wisst schon, der Kontroll-Termin, ob sich „die Neue“ wohl verhält und weniger zickig zeigt als ihre Vorgängerin.
Und da die gerade vorherrschende Hetze und klitzekleine (!) Gereiztheit wohl auf den eindringlichen Schmerz zurückzuführen ist, tut sie dies gewiss. Für alle, die es jetzt genau wissen möchten. 😉

Gott sei Dank habe ich es mir die letzten Jahre in mühseliger Feinarbeit antrainiert, auch irgendwann mal gut sein zu lassen.

Und so kommt es, dass ich den kompletten Handtaschen-Inhalt (ohne Karte) wieder in diese hineinstopfe, in meinen eigenen Schlund die starke – und hoffentlich entzündungshemmende – Ibuprofen schmeiße, Jod wickele und endlich mit der Mittleren das Haus verlassen kann! Denn Schmerz hin oder her:
Versprochen ist versprochen!
Und wir Mütter sind ja schließlich nicht aus Watte! 😉
Weil wir Mamas eben so sind. Weil wir unsere Kinder immer an erste Stelle setzen!
Selbst vor die eigene Gesundheit, wenngleich das möglicherweise nicht ganz so schlau sein mag. Autsch.

Wir sind auf dem Weg zur Eissporthalle.

Zur fünfundvierzig-Auto-Minuten entfernten Eissporthalle.
Denn ganz gleich in welche Richtung wir gefahren wären, so lange wie nun wären wir immer mindestens unterwegs gewesen.
Somit fiel die Wahl leicht:
Ich möchte meiner Mittleren einen meiner Lieblings-Orte der eigenen Kindheit zeigen!
Möchte dass sie es auch spürt. Dieses ganz besondere Erlebnis. Das Glück unbekümmert und frei vor sich in zu gleiten, sich treiben zu lassen und den Winter von einer ganz wunderhübschen Seite kennen zu lernen!

Und ich weiß, dass sie es kann!
Bereits vor drei Jahren stand die Mittlere das erste Mal auf Kufen und zeigte sich äußert talentiert und rasant.

Nun, die Vorliebe zur Geschwindigkeit scheint definitiv von der eigenen Mutter zu stammen.

Denn ich bin gerade in Gedanken bei der geliebten und schon Jahrzehnte verstorbenen Uroma, als es ur-plötzlich blitzt!
Ausgerechnet im Geburtsort meiner eigenen Uroma!
Der Rundum-Blitzer war mir ebenso wenig aufgefallen wie das kreisrunde Schild mit der 30 drauf!
Und während ich die restlich verbleibende Strecke um meine Fahrerlaubnis bange (ich habe keinen Dunst, wie schnell ich tatsächlich fuhr!) betrachtet mein liebes Kind ganz friedfertig Falken auf der Wiese.

„Kuck mal, da drüben fliegen zwei Falken“

Ich hätte die Vögel nicht einmal als solche erkannt!
Aber genau diese Situation zeigt mir abermals, wie friedlich und vor allem ruhig es mit einem Kind alleine im Auto sein kann!
Sie hätte wahrlich kein Gefieder auf Feldern wahrgenommen, wären die Geschwister rechts und links neben ihr anwesend.
Und ich?
Hätte ob der Lautstärke keine Gelegenheit für etwaige Grübeleien und Blitzer-Fettnäpfchen gehabt! 😉

Es ist wie früher!

Plötzlich bin ich selbst wieder Kind.
Alles sieht noch genau so aus wie damals, selbst die sauren Gurken im Kiosk sind noch die selben (NEIN! Die gleichen – sonst wär’s äußerst eklig!!) und die fettigen Pommes sowieso! 😉

Einzig und allein die Hallen-eigene Playlist scheint sich ein klein wenig aktualisiert zu haben.
Doch gedanklich bin ich wieder der Teenie, welcher Anfang der Neunziger in der viel zu bunten und gleichermaßen viel zu großen Skijacke zu den Beats von Leila K die Runden dreht.

Doch ist meine heutige Gesellschaft eine viel wunderbarere als picklige Teenager aus längst vergangen Zeiten! 🙂

Und ich bin froh, endlich dieses ihr gegebene Versprechen eingelöst zu haben.

Ein Nachmittag auf der Eisbahn.
Nur wir zwei. (Na gut, und viele Hunderte auch noch 😉 )
Und dies mit Allem was da nun einmal dazu gehört!
Das Gute ist, habe ich es erst einmal geschafft, dem Aufräum- und Ordnungswahn (aktuell anscheinend nicht in der Handtasche!)  zu entkommen und habe die Haustüre hinter mir geschlossen, gelingt es mir ja doch abzuschalten, locker zu lassen und zu entspannen!
Und das tue ich gerade!
Ich genieße es sehr, mich einmal auf ein Kind alleine konzentrieren zu können.
Denn das muss auch einmal sein, hat etwas mit Wertschätzung zu tun und ist meiner Meinung nach so sehr wichtig!

Und ich bin dankbar mit der Mittleren alte Leidenschaften wie das Inline Skating und Eislaufen nun teilen und wieder ausleben zu können! Die Winter sind nicht mehr die gleichen, wie damals.
Ich werde mit meinem Kind voraussichtlich nicht auf dem dick zugefrorenen Fuldaer Weiher Schlittschuh-laufen können, wie es einst mein Papa mit mir zu tun pflegte.
Doch kann ich Hobbies, Leidenschaften und Vorlieben weiter geben und dabei ein ganz klein wenig in alten Erinnerungen schwelgen.
Wieder etwas, was Kinder uns Erwachsenen ganz nebenbei schenken und mitgeben! 🙂

Wir haben eine schöne Zeit!

Ich muss nicht erwähnen, dass wir uns im Anschluss an das Eislaufen noch eine fette Portion Kuchen und Kakao beim Bäcker um die Ecke gönnen!
Und es ist immer wieder so unendlich schön!
Denn nur wenn ich auch einmal mit einem Kind alleine unterwegs bin, kann ich neue Seiten entdecken. An mir und am Kind. 😉
Kann zuhören und in ganzen, vollständigen Sätzen (in Ruhe!) antworten.
Kann geduldig Hand halten und das dankbare Strahlen in den Augen genießen!

Ich liebe alle meine drei Kinder, jedes auf seine ganz eigene, einzigartige Weise!
Und ich liebe auch alle zusammen!
Wenn sie auf dem Wohnzimmer-Teppich ein kicherndes und lachendes Menschlein-Knäuel bilden.
Wenn die Schwestern nach dem Streit auf einmal doch mit den Schleich-Pferden um die Wette wiehern oder wenn der große Bruder sich ganz und gar fürsorglich um die Kleinste kümmert!
Aber hin und wieder, wenn es zeitlich und von Seiten der Betreuung passt?
Dann will ich auch mal einen Mama-Tag und ein einziges Menschen-Kind wieder ganz neu kennenlernen!

Und mein Finger?

„Put some windex …ähm Jod…on…“
Wird schon werden.
Morgen ist auch noch ein Tag und blöde verschwundene Plastikkarten kann Frau (sofern gar nicht mehr auffindbar) auch neu bestellen! 😉

Genießt Eure Kinder!

Eure 

Alex

Der Text gefällt? Dann Daumen hoch für die Alex! 😉

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