Der erste Schultag nach den Ferien: Warum ich mich nie freuen kann

24+

Kennt Ihr dieses Foto welches alljährlich nach den Sommerferien via WhatsApp & Co. die Runde macht?
Das, welches niedergeschlagene Kinder neben einer höchst erfreut in die Luft springenden Mutter zeigt?
Das ultimative Symbol-Bild für den Schulstart?
Ist witzig, das gebe ich zu.
Stimmt aber nicht!

Vielleicht fühlt sich eine Mutter nach sechs Wochen Sommerferien auch für einen Bruchteil der Sekunde genau so.
Ist also davon auszugehen, dass es sich hier um eine spaßige Momentaufnahme handelt, dann war auch mir kurz zum in die Luft springen.
Doch hält dieser kleine Moment der Euphorie nur sehr kurz an.

Zumindest ist es bei mir so.

Denn der Erfinder eben jenes lustigen Bildchens vergass‘ dabei die unentdeckten, selten erforschten und des Öfteren nicht nachvollziehbaren Windungen des mütterlichen Hirns.
Verbunden mit dem, was Frau „Gefühle“ nennt.

Ich bin traurig und von der Situation überrumpelt

Wir sind erstaunlich gut im Montag gelandet
(Denkzettel an mich: Schreibe KEINE Flugzeugtexte mehr!!! 😉 ).
Nahezu reibungslos fanden alle Kinder den Weg zu Schule und Kindergarten und ich selbst ertappte mich schon um 08.09 Uhr an der Frische-Theke des hiesigen Supermarktes! Yeah!

Doch ab dem Moment, an dem ich am Montag nach den langen Sommerferien die Haustüre öffne und diese ungewohnte Stille verspüre, fühle ich mich regelmäßig von der Situation gnadenlos überrollt, hilflos und auch ein klein wenig überfordert!

Ja, ganz ehrlich!
Ich fühle mich traurig und alleine, vermisse die Kinder schmerzlich!

Sechs Wochen lang war ich niemals länger als höchstens zwei Stunden alleine.
Irgendwer sprang eigentlich immer um mich herum.
Hatte ober-eilig-Wichtiges zu berichten, brauchte hier etwas, suchte dort und schrie laut entrüstet auf!
(„Mamaaaa, der Bruder hat….!“)

Egal, was ich die letzten Wochen anstellte, mindestens drei Kinder waren immer im eigenen Haus!
Ging Eines davon auf Spiel-Verabredung, gesellte sich einfach ein befreundetes Kind der Geschwister dazu.
Selbst der Mann war für seine Verhältnisse außergewöhnlich oft im Homeoffice zu Hause.

Die letzten Wochen waren schön!

Und wisst Ihr was?
Das war toll und schön!
Ich hatte die Legitimation zu Hause sein zu müssen, denn ich wurde 24/7 gebraucht und schmerzlich zugetextet!
Ich hatte die Genehmigung Ferien zu haben, denn das hatten schließlich die Anderen auch!
Und ich hatte die Legitimation – und ausdrückliche Erlaubnis – morgens bis 09.30 Uhr zu schlafen!
Denn schließlich taten das – bis auf den Papa – alle Anderen ebenfalls! (Ein Hoch auf ältere Kinder!!!).

Ich durfte mich dem entziehen, was sich „Alltag“ nennt.

Für eine lange Zeit.
Wohl wissend, dass dieser mich irgendwann wieder einholen würde.
Mit all‘ seinen verflixten Gedanken. Und Aufgaben und Verpflichtungen.
Mit diesem furchtbar komischen Gewissen und dem nicht unterdrückbaren Zwang, mich rechtfertigen zu müssen
(Achtung: Ich tu’s auch gleich hier wieder!).

Sechs Wochen lang musste ich mich nicht erklären!
Denn während dieser Zeit hat jeder mal Urlaub und die „Hausfrau“ (don’t call me Hausfrau!) fällt nicht auf.
Wohl aber jetzt!
Jetzt kehre ich in ein leeres Haus zurück.
Nicht einmal mehr das Klappern der Nager-Trinkflasche ist zu hören. 🙁
Ich kehre nach Hause zurück, weil ich keinen festen Platz habe!
Einen anderen Ort, an den ich an einem Montag-Morgen nach den Ferien zurückkehren muss.

Macht mich das glücklich?
Erfüllt mich das voller Stolz?
Hab‘ ich das nicht selbst frei so gewählt?

Alles Fragen, die ich weder mit Ja oder Nein beantworten kann.
Genau so wenig, wie die Frage, wie es mir geht!
Ein

„Ich weiß es nicht!“

ist hier in allen Belangen die offene und ehrliche Antwort.

Ich habe viel zu tun

Ich weiß, dass sich in den letzten Wochen viel Arbeit angehäuft hat, die es nun zu erledigen gilt.
Und hätte ich einen eigenen Schreibtisch (hab‘ ich aber nicht), dann würde der gerade überquellen.

Denn auch ich habe lästigen Bürokram zu erledigen.
Dinge, für die ich ein leeres Haus und etwas Hirn brauche!
Nachdenken? Konnte ich nunmehr wochenlang nicht (nicht, dass ich das sonst wirklich täte 😉 ).

Dieser Blog möchte wieder voran kommen!
Denn auch eine Seite wie diese erfordert viel Büroarbeit, Marktanalyse, Eigen-Marketing und Mail-Verkehr (sieht nur keiner!).
Ich habe Visionen und Projekte im Sinn, für die ich jetzt Vormittags wieder Zeit habe.
(Wenn ich erst einmal diesen einen Schock überwunden habe.)
In die Nachmittagsbetreuung an der örtlichen Grundschule darf ich hoffentlich auch wieder aktiv einsteigen und darauf freue ich mich sehr!

Routine & Zeit für mich!

Ich hätte sogar nun endlich wieder ein bisschen Zeit für mich.
Doch noch bin ich meilenweit davon entfernt, dies wieder genießen zu können.
Endlich wieder morgens um den See laufen, etwas für Körper und Seele tun.
Das wäre schon schön.

Endlich kann ich das Haus und den Garten wieder auf Vordermann bringen und endlich haben wir alle wieder eine gewisse, eingespielte Routine!
Dass diese Routine nun wieder unzählige Taxi-Fahrten, Mathe-Hausaufgaben und Lernkontrollen bedeutet is‘ nicht sonderlich geil, gehört aber auch dazu.

„Genieß‘ die Vormittage und mach‘ mal was für Dich!“

sagte erst gestern die eigene Tante am Telefon zu mir.
Denn das ist wichtig und niemand Anderem sollte ich mehr Glauben schenken!
Denn leider weiß sie, wie vergänglich Dinge sind und die uns selbst verbleibende Zeit niemals berechenbar und garantiert ist!

Aber was ist mit (m)einem Beruf?

Und doch fühle ich mich jeden ersten Montag nach den Sommerferien scheiße!
Isso.
Denn ich fühle mich beäugt und verurteilt, weil ich noch immer nicht arbeiten gehe.
Weil das Auto schon wieder im Hof parkt.
Weil ich aktuell noch immer nicht arbeiten gehen kann!

Denn hier stehe ich voll und ganz hinter dem Mann.
Was auch bedeutet, dass wir uns nicht planbar und verlässlich mit der Kinderbetreuung abwechseln können.
Weil auch sonst niemand die regelmäßige Kinderbetreuung übernehmen kan.
Und der Mann des Öfteren auswärts übernachtet, sowie teils fünfzehn Stunden täglich arbeitet.
Und weil er für uns alle verdienen muss!

Ich pausiere nunmehr seit vielen Jahren in meinem erlernten Beruf.
Und ja, hin und wieder vermisse ich die alte Regelmäßigkeit.
Die sozialen Kontakte (oh die vermisse ich sehr!!!), das Schick-Anziehen, das nette Pläuschchen in der Kaffee-Ecke und das Gefühl, eine richtige, bezahlte Aufgabe zu haben – all‘ das fehlt mir.
Und noch immer schließe ich eine Rückkehr in’s Berufsleben nicht aus.
In welcher Form auch immer.
Das ist auch der Grund, warum ich mein Unternehmen, bei dem ich offiziell noch angestellt bin, bis heute nicht verlassen habe.
So etwas schmeißt man nicht einfach hin und gibt auf.
Ich bin beurlaubt.
Schon recht lange – um allen Spekulationen vorzubeugen.

Und das liebe Geld?

Ja, wir haben Glück.
Das Glück, es uns leisten zu können, dass ich derzeit zu Hause bleibe und nur Summen, die einem Taschengeld nahe kommen, in die Haushaltskasse packen kann.
Ich möchte jetzt auch gar nicht weiter darauf eingehen, wie blauäugig das aus der Sicht manch Anderer in der heutigen Zeit sein mag.
Wir wählten diesen Weg.
Es war immer klar, dass ich dem Mann den Rücken stärke und dieser das „große“ Geld nach Hause bringt.

Aber sind wir deshalb reich? Schwelgen wir in Luxus? Machen wir große Sprünge?
Nein!
Es reicht für einen vierzehn Jahre alten Kombi einer deutschen Auto-Marke und den geleasten Sieben-Sitzer!
Und ja, für einen (!) Sommerurlaub auch.
Es reicht für Marken-Kleider aus dem Sale für die Großen und Textilien von altbekannten Läden mit zwei Buchstaben und „&“ in der Mitte für die Kinder.

Nicht aber reicht es, um mit den Freunden in die Türkei zu fliegen (insbesondere spart man seit Jahren auf eine Reise nach Kanada zu Fünft!!) oder gar im Winter einen Skiurlaub genießen zu können.
Es reicht auch nicht für diverse Städtetouren oder gar Freizeitpark-Ausflüge zwischendurch.
Und auch nicht für regelmäßiges Essen-gehen als Familie.
Es reicht nicht für einen richtigen Gartenzaun (wir wohnen seit acht Jahren im Einfamilienhaus!) und auch nicht für die schicken Lounge-Möbel auf der Terrasse.

Für all‘ das bräuchte ich nämlich einen Job!
Doch sind wir zufrieden und kommen klar, müssen weder hungern noch bitterböse Abstriche in Kauf nehmen – und das ist letzten Endes Glück und Luxus!

Eigentlich könnte ich mich freuen!

Und im Nachhinein betrachtet, geht es mir dann doch gar nicht so schlecht! 🙂
Ja, eigentlich könnte ich jetzt auch endlich einmal einen ordentlichen Luftsprung machen!
Weil es so schön herrlich ruhig ist, hier im Haus!
Weil ich endlich wieder mein Hirn (das, was davon noch vorhanden ist) benutzen kann!
Weil ich in Ruhe die Klos putzen darf (nicht so überzeugend?).
Und weil ich ICH sein darf, auch wenn ich noch immer blind suche! 😉

Insbesondere aber weil ich die drei wundervollsten Kinder der Welt habe!

Kinder, für die ich in zwei Stunden schon wieder voll und ganz da sein darf!

Und weil die Herbst-Ferien doch schon wieder in Sichtweite sind! 😉

Habt alle einen guten Start in die Woche!

Eure 

Alex

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4 Gedanken zu “Der erste Schultag nach den Ferien: Warum ich mich nie freuen kann

  1. bloggermumofthreeboys Antworten

    Mir gehts genauso wie Du! Ich liebe Ferien, die Flexibiltät, die Zeit zusammen, die fehlenden Termine, kein Druck, keine Schule und einfach in den Tag leben. Mir graut es schon vor dem Schulstart wieder und wann der nächste Urlaub ist, weiß ich auch nicht (geplant ist Sommer 2020).

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    1. Mama steht Kopf Antworten

      So lange muss ich vermutlich auch bis zum nächsten Urlaub warten! Und jetzt wieder diese ganzen Fragen :“Und wo arbeitest DU?“… “Ach, DU machst also NIX?“ In den Ferien finden auch nicht diese gegenseitigen (unnötigen!) Vergleiche statt! So viel entspannter!! 😉 LG!!!

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  2. Mutter & Frau Steffi Antworten

    Oh, was ein schöner Artikel, der mir aus der Seele spricht. Ich bin auch immer froh, wenn ein verlängertes Wochenende, oder noch besser, Ferien vor der Tür stehen. Denn diese Zeit ist für die Familie Qualitätszeit, die zum Genießen einlädt. Wie wertvoll das ist, habe ich nicht erst durch den viel zu frühen Tod meines Mannes erfahren. Die Kinder werden einfach zu schnell groß und leider lassen sich die wundervollen Momenten nicht beliebig oft und beliebig lang genießen.

    Liebe Grüße, Stephanie

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  3. Samira Antworten

    Mir geht es genauso, hat der Kindergarten Schließzeit frage ich mich anfangs immer „Kannst du das gleiche Maß an Beschäftigung bieten?“ und mir tut es leid, dass sie die Kindergartenfreunde erstmal nicht sieht, aber nachdem die Schließzeit vorbei ist, fällt die Trennung wieder schwer. Die Zeit Zuhause vergeht wie im Flug und man denkt dann an die vielen schönen Ausflüge zurück und wird melancholisch. Wäre aber auch schlimm wenn man nicht traurig wäre.

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