Und dann bin ich ausgetickt – von einer Mutter, die eigentlich keinen Muttertag verdient hat

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Es war ein schöner Tag!
Trotz der Umstände dieser eigenartigen Zeit und ebenfalls trotz des nicht enden wollenden Regens am späten Nachmittag – sowie der Abwesenheit des Gatten – war es ein schöner Samstag.

Ich probierte ein neues Rezept zu Mittag aus und alle Kinder aßen selbst den Salat mit Begeisterung auf!

Ich achtete darauf, dass die Kinder nicht unbegrenzte Medien-Zeit haben und auch darauf, dass in einen eigentlich tristen Tag Abwechslung und Freude hinein geraten konnten.

Und auch das gelang mir besser als erwartet!

Ein schöner Nachmittag!

Wir waren im Regen spazieren und unterhielten uns, beobachteten wie Tropfen feinste Kreise auf dem Wasser des Flusses zogen und alberten herum.
Eis haben wir gegessen und…

….uns andächtig löffelnd untergestellt, als die Wassermassen nicht aufzuhalten waren.

„Das war ein schöner Spaziergang. Trotz Regen“

sagte später mein großes Mädchen zu mir.

Und es erfüllte mich so sehr mit Stolz.

Ich hatte es geschafft, drei Kinder nach draußen zu bewegen – trotz schlechten Wetters – und sie fanden es sogar schön!

Als wir nach Hause kamen, streiften wir uns die nassen Kleider ab und versammelten uns gemeinsam am Esstisch.
Zum Brettspiel-spielen!

Denn auch dazu konnte ich meine Kinder überzeugen – und ausgelassen tricksten und lachten wir vier!

Alles lief gut!

Es gab Knabbereien dazu und später brachte ich noch die Kinderzimmer auf Vordermann.

Ich zog Betten ab und wischte durch, bis alles wieder glänzte und hübsch und frisch aussah!

„Mein Zimmer sieht gut aus, Mama!“

sagte daraufhin der Sohn – und meine Augen wurden feucht vor lauter Rührung!
Diese Anerkennung hätte ich gar nicht erwartet!

Wir aßen gemütlich bei Tee zusammen zu Abend, die Kinder spielten nochmal kurz draußen (es regnete endlich nicht mehr)  und zusammen schauten wir unsere Lieblings-Samstags-Abend-Show im britischen Fernsehen.

Ich sah milde darüber hinweg, dass die Kleinste aufdrehte und eine Tanzvorstellung nach der anderen auf dem Wohnzimmer-Parkett hinlegte.
Und auch darüber, dass ohnehin kein Kind mehr konzentriert dem Geschehen auf der Fernseh-Bühne folgen konnte.

Im Anschluss wusch ich die Kleinste und las beiden Mädels aus dem aktuellen Lieblings-Buch vor.

Ja, ich hatte alles gut und richtig gemacht an diesem Samstag.

Und wenngleich das eigentlich immer so sein sollte, stellte sich eine beruhigende Zufriedenheit bei mir ein.

Jede Mutter weiß, dass dies nämlich ganz gewiss nicht immer so der Fall ist!

Es hätte alles so schön und harmonisch sein können!

Schließlich war er ja auch eigentlich zu Ende.
Der gemeinsame Tag alleine mit den Kindern.

Und dann bin ich ausgetickt

Und dann stand ich plötzlich da.
Inmitten des abgedunkelten Schlafzimmers.

Meine Stimme bebte und zitterte und schrie schrill.
Worte wie „verdammt nochmal“ und „gefälligst“ oder verzweifelte Aussagen („nie wollt ihr schlafen“) preschten nur so hervor, waren einfach nicht mehr aufzuhalten.

Und ich stampfte tatsächlich mit den Füßen auf.
Wie ein kleines, hilfloses Kind.

Denn genau das empfand ich gerade in just diesem Moment:
Hilflosigkeit

Als die Kinder einfach nicht zur Ruhe kommen wollten.

Ich war unendlich müde von dem langen Tag, Knochen schmerzten und Augen brannten.
Jetzt, kurz vor Mitternacht an einem Samstag-Abend, wünschte ich mir so sehr Ruhe und Frieden im Haus.

Und sorgte dafür, dass es genau dazu nicht kommen konnte!

Weil ich Gefühle nicht im Zaun halten konnte, weil mich Erwachsenen-Gedanken grämten –  und das fiese-garstige Männchen im Geiste hämmerte und klopfte!
Weil es hinterlistig in einem immer wiederkehrenden Mantra ein

böse Mutter! Unfähige Mutter!

zynisch ins Ohr hauchte!

Die schlechteste Mutter der Welt

Ja, in diesen Minuten fühlte ich mich als die schlechteste – und vor allem dümmste – Mutter der Welt.

Eine Mutter, der es nicht gelingen mochte, ihre Kinder fürsorglich und bedacht zu Bett zu bringen.

Dabei hatte ich all‘ dies ja zuvor getan!

Wir haben gelesen und gekuschelt, ich sprach mit ruhiger Stimme  – und hätte einfach nur noch ein bisschen länger durchhalten müssen.

Doch da war die Tatsache, dass beide Kinder wieder in meinem Bett schlafen wollten – und das entmachtende (wenngleich Macht hier ein völlig falsches Vokabular ist!) Gefühl, sich dem nicht widersetzen zu können.
Ich ließ es also gewähren, wohl-wissend, dass somit ein schnelles Einschlafen beider Kinder nicht gelingen kann.

Da war der Bruder, der so viel später die Treppe herauf schlurfte, und somit bereits erstmals zugefallene Äuglein wieder neugierig aufspringen ließ.

Da war der hin und her rutschende Popo des kleinsten Kindes neben mir – und das Gelächter und Gekicher.

Irgendein Wort vom Bruder fiel, ein Mädchen motzte und schmollte daraufhin – und an Einschlafen war vorerst nicht zu denken.

Wo ich doch an diesem Tag alles gegeben hatte!

Konnte ich dann nicht mal um Mitternacht Feierabend haben!?

Und mir platzte der Kragen

Ja, es waren vermutlich Gedanken wie diese, welche die mütterliche Sicherung durchbrennen ließen.
Die mich nun zornig aufhüpfen – und meine Kinder zusammenstauchen ließen.

Zu Recht saßen nunmehr zwei verschreckte Mädels in meinem Bett, den Tränen nahe.

Ich hatte so viel Gutes an diesem Tag erreicht – und mit einem Mal, innerhalb von Sekunden, alles zunichte gemacht.

Das Gefühl, welches eine Mutter bei dieser Erkenntnis durchfährt, ist unbeschreiblich.
Ein Schmerz und Ruf der Verzweiflung, den ich selbst hier nicht richtig in Worte fassen kann.

Und es tat mir so unendlich leid.

Ja, ich flippte aus.

Zu einem Zeitpunkt, der ungünstiger nicht hätte sein können!
Nämlich dann, als meine Kinder eigentlich zur Ruhe kommen sollten.

Wir haben noch lange gekuschelt und geredet an diesem späten Samstag-Abend.

Ich habe mich bei den Kindern für das Geplärr entschuldigt, denn das ist mir stets ein sehr großes Bedürfnis und an Bedeutung und Wichtigkeit nicht zu unterschätzen!

Ja, es war mein Fehler!

Ich hätte meine Kinder eher nach oben schicken sollen.
Hätte nicht durchgehen lassen dürfen, dass zwei Mädchen sich in meinem Schlafgemach betten – und vor allem trotz der verfahrenen Situation ruhig bleiben müssen!

Wäre das dann nur nicht so verdammt schwer!

Würden nur nicht tausend Nadeln und Messerstiche die Seele kicksen und beuteln – und Nervenstränge porös bröckeln.

In dieser Nacht fühlte ich mich als die schlechteste Mutter auf Erden.

Selbst dann, als die Kinder längst friedlich schnaubend in den Betten schlummerten.

Eine Mutter, die weder Dank noch Anerkennung verdient hat (und schon gar keinen Muttertag!) – und noch so viel mehr an sich arbeiten muss.

Selbstvorwürfe ließen mich lange nicht einschlafen und unruhig hin und her wälzen.

Doch der nächste Morgen kam.

Und geweckt wurde ich von meinem großen Mädchen.

Mit einem Strahlen im Gesicht und voll geladenen Frühstücks-Tablett in der Hand!

Vergessen war das Desaster vom späten Abend.

Wir fielen uns in die Arme – und vielleicht sollte ich es einfach doch annehmen, das

„beste Mutter der Welt!“

Nur heute! 😉

Seid nicht so streng zu Euch!

Ihr seid tolle Mamas!

Eure 

Alex

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