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Der Prolet vom Nachbartisch – Warum Menschen, die “anders” sind in unserer Gesellschaft noch immer nicht anerkannt sind & “Frauen nur f******e bleiben müssen”

Man(n) kann also wieder mit mir reden in den nächsten vierzehn Tagen.

Jetzt beginnt meine “gute” Zeit!
(Das glaube ich zumindest, ganz so genau weiß selbst ich das nie!)

Ich fühle mich besser und stärker – und ich fange wieder an des Morgens Menschen zu grüßen!
Ein jeden, der mir auf dem Weg zur Grundschule begegnet.

Ja, fast sogar lächele ich und rufe fröhlich.

Ich möchte wieder Leute treffen und Kaffee-Verabredungen ausmachen – und in der Tat habe ich es mir angeeignet, genau DAS auch tatsächlich in der ersten Zyklushälfte fix zu machen – auch und gerade für die schlechteren Wochen.

Denn dann, würde ich Euch – liebe Mitmensch*innen – nicht anrufen. Es tut mir so leid.

Vermutlich halten mich Einige ohnehin für meschugge, weil ich phasenweise freundlich grüße – dann aber wieder betröppelt und grimmig zu Boden gucke.

Ich wünschte selbst, es wäre alles nicht so!

Und JA!
Natürlich denke auch ich hin und wieder, mir das alles einfach nur einzureden!
Mich selbst zu manipulieren, weil ich meine – während ich brav Kalender führe – das halt jetzt eben wieder eine schlechte Zeit beginnen “müsste“.

Aber warum fühle ich es dann so intensiv?
Warum ändert sich meine gesamte Art und Weise zu denken, Dinge zu interpretieren, zu empfinden?

Doch Schluss damit – es geht aktuell, man kann und darf wieder mit mir scherzen (macht nur keiner mehr, weil man(n) sich nicht mehr traut), ich werde wieder motiviert E-Mails was diesen Blog hier betrifft schreiben und mich und die Bude auf Vordermann bringen.

Läuft – und ich muss das Bestmögliche aus dieser Phase herausziehen.

Selbstverständlich sind nicht all’ meine Probleme verpufft, es sind einige – und jenes aktuell vorherrschende Tief löst sich auch nicht einfach so in Luft auf. Aber ich hoffe einfach, es in den nächsten Tagen eher ertragen zu können.

Eher ertragen konnte ich im übrigen auch den kleinen Nervenzusammenbruch der kleinsten Tochter, als eben diese gestern feststellte, die für den nächsten Tag anstehende Deutsch-Arbeit vergessen zu haben.

Zum Glück ging es mir ab da schon besser – und ich war in der Lage zu halten und zu trösten, zu schmusen, umarmen und Tränchen zu trocknen und in Windeseile eine Übungsarbeit einfach selbst zu gestalten, die dem Kind sogar ein dickes fettes Schmunzeln in’s Gesicht zauberte. 🙂

Es wäre mir vor ein paar Tagen vermutlich noch nicht in der Form gelungen…

Und dennoch – auch wenn ich gerne einmal wieder was meine Texte hier betrifft den Schwenk aus der dunklen Ecke heraus hinbekommen möchte – muss ich hier etwas erzählen.

Weil es mich so unfassbar nervte und so sehr Klischees und verurteilende Denkweisen der Menschen unterstrich!

Gespräche am Nachbartisch

Vor ein paar Wochen waren der Gatte und ich Freitags-Abends in meiner Heimatstadt essen.

Wir saßen im angesagten Lokal, neben uns am Nachbarstisch eine Gruppe Leute “so um die vierzig“.

Bis auf einen Kerl alles Eltern – alle aber offensichtlich ohne den jeweiligen Partner unterwegs.

Es wurde albern geflirtet.
(Ich hasse diese blöden banalen Sprüche und das Gekicher anderer Frauen – ist irgendwie nicht meins. Das war es nie!)

Und nach der zweiten Cocktail-Runde – ich wurde unfreiwillig Zeuge des laut-angeregten Geplänkels – ging es um die Frage, welchen Promi man wohl heiß fände.

Den Namen eines ehemaligen Popsternchens rief der eine Kerl lautstark ein, welchen ich persönlich in die Kategorie “unsympathischer Prolet” eingestuft hätte.

Entsetzt entgegnete die Frau gegenüber, das könne ja nicht sein, denn

“die ist doch ein völliges Wrack! Total kaputt!!!”

Der Hohlkopf (Sorry – unbekannterweise) entgegnete, die liebe, besagte Frau solle ja auch nur die Klappe halten, hübsch anzusehen und gut zu f***** sei sie ja gewiss immer noch.

Und-in-mir-kochte-es.

Trotz des romantischen Dates des mit mir Angetrauten.

Denn beide hatten mit ihrer jeweiligen dummen (!!!) Aussage, gleich zwei Dinge meiner Meinung nach dick und fett unterstrichen!!!

Zum Einen nämlich, dass Menschen, die eine mentale Erkrankung hinter sich haben oder gerade mitten drin stecken NICHT das Recht haben, ebenfalls geliebt und begehrt zu werden.

Denn sie sind ja “kaputt” , völlig “defekt“.

Niemand kann also Empfindungen oder gar Sympathie und Verständnis für einen “Psycho” haben.

Und ein Weirdo, ein “Wrack” hat also auch keine Chance jemals wieder von jemandem in den Arm und geliebt – unterstützt und verstanden – zu werden!?

Nun, ich weiß nicht, wieviel “Wrack” die liebe Sängerin heutzutage tatsächlich ist, damit beschäftige ich mich für gewöhnlich nicht.

Aber es verdeutlicht, wie minderwertig Menschen mit Problemen in der Gesellschaft abgetan werden!
Als nicht liebenswert.

Ebenso die Sache mit dem ihr wisst schon was.

Frauen sind also noch immer dazu da, die Fresse zu halten und sich nett hinzulegen!?
Geht’s noch, Arsch? (Pardon)

Nur auf das Äußere reduziert, Hauptsache, wir bleiben f******e?

Entschuldigt bitte hier meinen Ausbruch – aber der Nachbarstisch regt mich noch heute auf.

Denn es zeigt mir, was alles in unserer Gesellschaft und in den Köpfen so mancher (nicht dass meiner völlig klar wäre – Gott bewahre! 😉 ) nicht stimmt.

Das tut weh, das tut mir leid, das erschrickt.

Kann ICH denn noch alles offen berichten?!

Auch und insbesondere mich, die doch hier so offen und ehrlich über ihr Gefühlsleben, Hormone, Stimmungsschwankungen, depressive Gedanken, Muttergefühle und Gemütszustände –  die immer wiederkehrende Traurigkeit – berichtet.

Bin ich für Euch alle auch schon ein Weirdo und Wrack?

Nun, für böse Zungen gewiss – damit muss ich leben, trage ich meine Gedanken in die Öffentlichkeit.

Und für fiese, anonyme Briefschreiber auch.
Auch damit muss ich leben.

Aber genau solche Aussagen solcher Menschen verhindern doch, dass wir offen über auch unangenehme Themen sprechen und uns eben öffnen – und damit verletzbar machen.

Dass wir der Welt zeigen, dass ein jeder (!) – den Proleten-Deppen einmal ausgenommen – menschlich ist!

Und jeder Mensch mehrere Chancen im Leben verdient hat.

Cheers – man hätte Euch, lieber Nachbartisch, den zweiten Cocktail besser nicht geben dürfen!

Eure 

Alex

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