Emotionen raus!

10+

„Hier schreibe ich alle meine Geheimnisse rein!“

rief die Kleinste vor ein paar Tagen voller Begeisterung.
Was sie in solch helle Freude versetzt hatte?
Nun, es war nix Anderes als ein karierter Ringbuch-Block.
Ein College-Block vom Lebensmittel-Discounter, welchen sie unbedingt für sich haben wollte.

Wie hätte ich ihr einen solch simplen – und zugleich entzückenden – Wunsch ausschlagen können?
Denn ist es nicht wunderbar zu beobachten, wie Dinge, die für uns als Nebensächlichkeiten erscheinen, kleine Kinder so sehr begeistern können?
Sie kann noch gar nicht mal viel schreiben, den eigenen Namen, umzingelt von vielen Herzchen – und vielleicht noch ein Mama und Papa.
Aber es ist ihr geheimes Buch!

Ihr erstes Tagebuch.

Und eigentlich ist ein Blog ja auch nichts Anderes.
Zumindest ist es die ursprüngliche Idee davon.
Ein öffentliches Tagebuch.

Und doch kann ich hier nicht aufrichtig schildern und schreiben was mich wirklich bewegt. mehr „Emotionen raus!“

Aus der Spur

12+

Ich fühlte mich wie ein alter, rostiger Zug. Gestern.
Müde und träge schleppte ich mich die zugewachsenen Schienen längst vergangener Zeiten hoch, ächzte bei jedem weiteren Meter.
Fühlte mich ohne Ziel und mit einer viel zu schweren Last auf den Schultern.

Viel zu überladen mit Pflichten und Gedanken und Menschen, die an mir hingen und nagten.
An den Türen waren sie, selbst auf dem Dach. Sie ragten gefühlt weit aus den Fenstern heraus, klammerten sich an mich, hingen an allen Seiten und rüttelten so sehr, dass der arme Wagon in’s Schwanken geriet.
Und wenngleich ich nicht wirklich ein Zug irgendwo inmitten Indiens bin, so fühlt es sich als Mutter manchmal so an.
Doch waren es diesmal nicht die Kinder, die mir zu viel abverlangten. mehr „Aus der Spur“

Heute bin ich traurig: Wenn die Seele heilen muss

4+

Sie hat es auf mich abgesehen. Diese lästige, verflixte Fliege.
Eine der wenigen Überbleibsel eines viel zu warmen, doch ganz und gar zauberhaften Herbstes. Lässt sich immer und immer wieder penetrant auf meinem Kopf nieder, surrt mir laut ins Ohr und will mich einfach nicht in meinem Trübsal in Ruhe lassen.

Als wolle sie mich aufscheuchen, mich zum Wieder-Aufstehen zwingen, mich davon zu überzeugen, dass das Leben wunderschön und schillernd ist.
Als wolle sie mir lautstark in’s müde Ohr summen, endlich an all‘ meine eigenen Worte zu glauben. An das Feuerwerk im Kopfe und im Herzen, von welchem ich erst vor wenigen Tagen drüben auf Instagram schrieb.
Welches in genau jenem Moment auch präsent war und mein Herz mit Wärme und Dankbarkeit erfüllte. Dankbarkeit, diese wundervolle Familie, diese fantastischen Kinder zu haben. Dankbarkeit am Leben zu sein!

Und als wollten sie es ihr gleichtun, kitzeln mich nun ebenfalls Sonnenstrahlen auf der Nase. Draußen ist der Himmel knallblau und ich sollte einfach jetzt nicht hier liegen. Sollte an diesem freien, mir zur Verfügung stehenden Vormittag, an diesen drei Stunden, raus gehen! Die frische Luft in mich aufsaugen und mich bewegen. Ein- und Ausatmen und Sport machen. Ganz alleine, nur ich draußen am See.
So, wie ich es so gerne pflege zu tun, bietet sich einmal die Möglichkeit dazu.

Doch heute kann ich nicht. mehr „Heute bin ich traurig: Wenn die Seele heilen muss“

Meine Kinder, ihre Bedürfnisse & ich

4+

„….an diesem wunderschönen sonnigen Tag….“
tönt die nervig freundliche Stimme aus dem Lautsprecher des Discounters. Der, der sogar über einen eigenen Radiosender verfügt! Und welchen ich am frühen verflucht-ätzend sonnigen Morgen nur allzu schwer ertragen kann! Glaubt mir, würde mir dieser dämliche Grinse-Typ jetzt vor die eigene Visage treten, ich könnte für nix garantieren! Ich gehe jedenfalls schwer davon aus, dass er – völlig auf Droge- vor sich hin grinst, während er seinen fröhlichen „Shopping-ich-geb-Dir-heute-die-besten-Ratschläge-Singsang“ herunter rattert! 

„…ganz sicherlich werden auch Sie heute Nachmittag noch einmal die Stühle auf der Terrasse zurechtrücken wollen, um die letzten warmen Sonnenstrahlen zu genießen“

Boah! Echt jetzt!?
Und beinahe ertappe ich mich dabei, wie sich die eigene Hand nur ein klein wenig, so’n klitzekleines bisschen, gedanklich zur Faust ballt, während ich mit der Anderen die Einkäufe auf’s Band lege. 😉 

ICH werde heute Nachmittag keine Sonne genießen! mehr „Meine Kinder, ihre Bedürfnisse & ich“